Große Gebäudekomplexe, das Exterieur erinnert an einen in den Achtzigern gestalteten, futuristisch anmutenden Industriepark. An der Straßenbahnhaltestelle warten SchülerInnen, LehrerInnen, StudentInnen und ForscherInnen und Lehrbeauftragte auf die nächste Bahn Richtung Bielefeld Zentrum. Die Besonderheit: Sie warten nicht nur gemeinsam, sondern arbeiten auch an einem gemeinsamen, wissenschaftlichen Großprojekt. Sie alle sind Teil der in den Siebziger Jahren errichteten „Laborschule Bielefeld“.

Das Ziel der Laborschule ist es, qualitative Forschung der (schulischen) Praxis näher zu bringen. Es geht dabei um nichts geringeres, als „neue Formen des Lehrens und Lernens und des Zusammenlebens in der Schule zu entwickeln.“ (Uni Bielefeld) Das dieser Auftrag sehr ernst gemeint ist, sieht man. Es liegen nicht nur Universität und Schule direkt nebeneinander, die Innen-Architektur versprüht trotz des 80er Flairs mehr Innovationswillen als die meisten heutigen Schul-Neubauten.

Noch interessanter als die Architektur, ist der zugrundeliegende Forschungsgedanke. SchülerInnen und LehrerInnen werden hier nicht erforscht, sondern forschen selbst.

„Praxisforschung heißt, dass Praktiker konkrete Probleme, die in ihrer Berufspraxis auftreten […] erforschen, mit dem vorrangigen Ziel, das eigene Handeln zu analysieren und zu verbessern.“ Wikipedia

Die Lehrkräfte werden dabei von den MitarbeiterInnen der „wissenschaftlichen Einrichtung Laborschule“ unterstützt, die wissenschaftlichen Ergebnisse publiziert.

Im Interview erklären die Leiterin der wissenschaftlichen Einrichtung, Dr. Annette Textor und Dr. Christian-Timo Zenke, sowie die stellvertretende Schulleiterin Dr. Sabine Geist, und die Primarstufenleiterin Nicole Freke, wie in der Laborschule Forschung funktioniert und welchen Stellenwert sie für den Schulalltag haben.

Historischer Kontext

Im ersten Beitrag erklärt Timo Zenke den historischen Kontext, in dem die Laborschule entstanden ist. Er geht dabei im Besonderen auf die Forderungen des Gründungsvaters Hartmut von Hentig ein, die für die Schule bis heute richtungsweisend sind.

Spannend ist, dass die Schule bereits vor fünfzig Jahren mit dem Verständnis gebaut wurde, dass Lehrkräfte und WissenschaftlerInnen gemeinsam Schule weiterentwickeln müssen und nicht getrennt voneinander arbeiten.

Praxisforschung

Praxisforschung ermöglicht Lehrkräften die Reflexion ihrer Methoden und die Evaluierung von neuen Konzepten. Nicole Freke führt im zweiten Teil durch die technischen Einzelheiten eines Praxisforschungs-Projekts. Im dritten Teil erläutert sie am Beispiel der Evaluation von Mehrstufen-Klassen, den beispielhaften Ablauf.

Bedeutung und Ansehen

Die Praxisforschung hat trotz des fünfzigjährigen Bestehens der Laborschule Bielefeld immer noch mit ihrer Stellung zu quantitativen Studien zu kämpfen. Annette Textor und Sabine Geist zeigen die Qualitäten von Praxisforschung auf und gehen auf das Ansehen der Praxisforschung ein.